Der Wesenstest für Hunde wurde in Deutschland vom Gesetzgeber verbindlich eingeführt.


Ziel des Testes



Durchführung und Folgen des Tests

Der Begriff 'Wesenstest' ist nicht geschützt oder genormt. Der Test, der von NETTO und PLANTA im Jahr 1997, also schon lange vor der sogenannten "Kampfhundediskussion" 2000 entwickelt wurde, wurde von Fachwissenschaftlern aufgrund ethologischer und tiermedizinischer Erkenntnisse weiterentwickelt. Der Wesenstest hat folgende qualitativen Merkmale: - Durchführung durch einen Hundesachverständigen . - Vorabtest des Hundes auf Beruhigungsmittel und Krankheiten, welche das Verhalten beeinflussen könnten - vollständige Dokumentation des gesamten Testablaufs auf Video - alle Testaufgaben werden mindestens zweimal durchlaufen - der Hundesachverständige richtet zu jeder Zeit seine ungeteilte Aufmerksamkeit auf den zu prüfenden Hund - gerichtsverwertbare schriftliche Dokumentation jeder Teststation mit detaillierten Angaben zum Ausdrucksverhalten des Tieres - standardisierter Testablauf ohne Möglichkeit der willkürlichen Hinzufügung Testsituationen In den Bundesländern wird der Test oft als standardisierter Kurztest und Inaugenscheinnahme des Hundes durch einen verhaltensbiologisch versierten Beauftragten des örtlichen Ordnungsamts vorgenommen. Verordnungen, Tests und die Folgen für Halter und Tier, wenn der Hund den Test nicht besteht, variieren dabei von Bundesland zu Bundesland. Die Sanktionen können letztlich bis hin zur Beschlagnahme des Hundes führen. In verschiedenen Hundezuchtverbänden werden für dem Verband angeschlossene Züchter Veranstaltungen durchgeführt, auf denen Zuchthunde von beauftragten Mitgliedern begutachtet werden. Dieser Vorgang wird auch Wesenstest genannt. Im Unterschied zum Wesenstest fehlen hier wesentliche Elemente, wie die Tierarzteigenschaft des Prüfers, die Bedrohungssituationen und die Videoaufzeichnung. Es werden statt dessen teils rassespezifische oder einsatztypische Veranlagungen mit bewertet, wie z.B. Spürtrieb oder Schussfestigkeit. Das Gutachten umfasst oft nur eine Seite und hat außerhalb des Vereins keine Funktion.


Inhalt des Wesenstest

Der Wesenstest besteht aus den Hauptbestandteilen

1. Hund-Mensch-Kontakt

2. Hund-Umwelt-Kontakt

   3. Hund-Hund-Kontakt und

4. Gehorsam 

Wichtige Einzelaufgaben sind u.a. zum ersten Abschnitt: - ranganmaßende Gesten (Handauflegen auf Rücken und Kopf, Umfassen des Fanges) - Anstarren (Drohfixieren) - Konfrontation mit mehreren Personen, die Blindenstock und Gehstock benutzen - Konfrontation mit Joggern und Personen, die sich wie Betrunkene benehmen und nach Alkohol riechen - Einige Personen kommen auf den Hund zu (nicht zielgerichtet) und bleiben mit Körperberührung neben ihm stehen(Fahrstuhlsituation) - Eine Person liegt am Boden (oder hockt sich hin) und steht abrupt auf, als Halter und Hund den Testgang machen (Abstand 2m). - Eine Person schreit den Hund wütend an. Zum zweiten Abschnitt gehören diese Aufgaben: - Ein Regenschirm wird unmittelbar vor dem Hund aufgespannt - Klingelndes Fahrrad und hupendes Auto müssen passiert werden - Ein Kinderwagen mit Babygeräuschen wird vorbei geschoben - Eine Testperson geht auf den Hund zu, schreit ihn an - Eine Person bedroht den Hund mit einem Stock - Eine Person geht mit einem brennenden Feuerzeug auf den Hund zu Zum dritten Abschnitt gehören diese Aufgaben: - Zwei Hunde passieren den Prüfling - Konfrontation mit einem gleichgeschlechtlichen Hund hinter einem Zaun. - Der zu prüfende Hund wird vom Halter isoliert (Sichtschutz) ca. 2 m vor dem Zaun angebunden und mit einem gleichgeschlechtlichen Hund konfrontiert. Der vierte Abschnitt der Prüfungsaufgaben enthält als Prüfsituationen verschiedene alltägliche Aufgaben, wie das Rufen des Hundes aus dem Freilauf, das Ausführen der Kommandos "sitz" und "platz" und das Ausgeben eines Spielzeugs (Ball) auf Kommando. Diese Aufzählung von Aufgaben stellt nur einen Ausschnitt aus dem Wesenstest dar.

Bewertung des Hundeverhaltens beim Wesenstest


Es geht insbesondere um die Prüfung der Reaktion des Hundes auf solche Reize, die bekannterweise Aggressionsverhalten bei Hunden auslösen können. Aggressionsverhalten ist ein normaler Bestandteil des Sozialverhaltens auch bei Hunden. Hunde, die in adäquat bedrohlichen oder ängstigenden Situationen knurren oder bellen, sind nicht pauschal als gefährlich einzustufen. Natürlich müssen Hundehalter in der Lage sein, das Aggressionsverhalten ihrer Hunde regelnd zu beeinflussen, so dass keine Belästigung oder gar Gefährdungen von Menschen und/oder Artgenossen auftreten. Alle Hunde müssen entsprechenden Reizen begegnen können, ohne dass eine Situation eskaliert. Ziel des Wesentest ist es, Hunde mit gestörtem Sozialverhalten, insbesondere einem unakzeptablen (inadäquaten) Aggressionsverhalten (Fehlen der Eskalationsstufen) herauszufinden, denn sie sind für ihre Umwelt aufgrund der dargestellten Störung ihres Sozialverhaltens ein erhöhtes Gefährdungspotential. Bei den teils extremen Provokationen, wie Anschreien des Hundes oder Bedrohung mit einem Knüppel, ist ein adäquates Aggressionsverhalten (wie Knurren, Drohbellen) als normal zu werten. Wichtig ist, dass das Verhalten abgestuft gezeigt wird.

Das Ziel dieser Tests ist, die Besonderheiten im Verhaltens der einzelnen Tiere zu erkunden, um aktuell gefährliche Hunde zu erkennen. Eine langfristige Prognose zum künftigen Verhalten eines Tieres ist mit großen Unsicherheiten behaftet, da das Verhalten vor allem auch von den Haltungsumständen abhängt. Jeder Hund kann zum aggressiven Hund erzogen werden, dagegen hilft auch kein bestandener Wesenstest. Bei Listenhunden kann aber die behauptete genetische Aggressionssteigerung geprüft werden, da diese grundsätzlich entweder vorhanden ist oder nicht.
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